Meine Baustelle

      Hallo Paul,

      Dein Kapitän-Motor wurde aber sicher vorher säuberlich zerlegt und entsprechend vorbereitet, bevor die penibel entfetteten "Aussenteile" (Zylinder-/Kurbelgehäuseblock, Zylinderkopf, Ölwanne, Ventildeckel, Stösselkammerdeckel, Steuerdeckel, etc. zum Strahlen und Lackieren gehen, oder ?

      Zur Bearbeitung von Motorenteilen aus Stahl bietet sich das Kugelstrahlen (Shot Peening) mit winzigen Stahlkugeln an.
      Schaut mal, ob Ihr eine Adresse in Österreich finden könnt, die das Verfahren anbietet.

      Motoren bzw. deren Teilen mit Quarzsand zu Leibe zu rücken, ist, meiner Erfahrung nach, überhaupt keine gute Idee und für einen kompletten Motor der sichere Tod !

      Viel Erfahrung, gute Kontakte, sogar eine eigene hervorragende Oldtimer-Motoreninstandsetzung im Haus und auch schon einschlägige Erfahrung mit den Opel OHV Sechszylindern aus Käpt'n & Co., hat der Oldtimer-Restaurationsbetrieb HABEL in Innsbruck/Tirol, in der Valiergasse 20.

      Der Betrieb ist nur gute 300km von Linz entfernt.

      Der geplante Einsatz des Kapitäns, als vollwertiges Bestattungsfahrzeug und, die von Dir eindrucksvoll beschriebene, völlige Ahnungslosigkeit beim Thema Motortechnik sollten keinerlei faule Kompromisse, bzw. Experimente zu Lasten der Zuverlässigkeit zulassen.

      Wenn Du den verblichenen Ahnen Deiner Kunden ein pietätvolles letztes Geleit im zuverlässigen Opel Kapitän anbietest, dann muss der Sechszylinder immer schnurren, wie bei einem Neuwagen.

      Selbst wenn er noch gut läuft und nur komplett zerlegt, durchgecheckt, neu abgedichtet und von aussen wieder schön gemacht werden muss, gib die Antriebstechnik in fachkundige Hände, denn der Anspruch als künftiges Aushängeschild der Firma duldet keine Ausfälle und am Fahrzeug gibt es sicher für Euch noch genügend Baustellen, die in Eigenregie erledigt werden können.

      Ein während der Zeremonie auftretender zweiter Todesfall im Motorraum, wäre gewiss keine gute Reklame für ein seriöses Bestattungsunternehmen .... ;)

      Der, bei normalen unrestaurierten Limousinen höchst unwahrscheinliche Fall, daß der Motor im Originalzustand noch so gut und auch dicht ist, kann bei den meist sehr geringen Laufleistungen von original belassenen Leichenwagen durchaus vorkommen.

      Wenn das bei Dir der Fall sein sollte und Du deshalb in Betracht ziehst, den Motor gar nicht zu zerlegen, sondern nur von außen optisch aufzubereiten, darfst Du diesen unter keinen Umständen auch nur in die Nähe einer Sandstrahlanlage kommen lassen !!
      Das käme seinem Todesurteil gleich !!

      In diesem seltenen Falle gibt es eigenlich nur zwei gangbare, sinnvolle und zudem, gegen über einer Totalzerlegung recht preiswerte Optionen:

      1. Öl vollständig ablassen und den Motor im Montage bock von aussen penibel entfetten und sämtliche Verunreinigungen und losen Rost vorsichtig, aber gründlich, mechanisch entfernen und den Motor anschliessend sauber abkleben und am Stück grundieren und lackieren.

      Die direkten Anbauteile, wie Ventil-, Steuer- & Seitendeckel, Ölwanne usw. können dabei abgeklebt und später demontiert, im Tauchbad entlackt und separat geschliffen und ordentlich lackiert und mit neuen Dichtungen wieder sauber montiert werden.
      Sand hat auch an diesen Teilen nichts verloren !

      2. Alternativ zur mechanischen Aussenreinigung vor dem Lackieren, kann der komplette Motor zur Lackiervorbereitung auch nach dem sorgfältigen Entfetten mit Trockeneis gestrahlt werden.
      Hierzu belässt man zunächst Auspuff- & Ansaugkrümmer am Motor und verschliesst zum Eisstrahlen nur die Öffnungen mit zwei geeigneten Platten und passenden Schrauben.
      Erst nach dem Strahlen werden die Krümmer demontiert, deren alte Dichtungen entfernt (Negerkekse) und zum Lackieren sauber abgeklebt.

      Das Gelingen bleibt aber in beiden Fällen abhängig, von der Dichtigkeit der getriebeseitigen Kurbelwellendichtung !

      Ich bin gespannt, wie Du Dich entscheidest und wünsche Dir bei der Restaurierung viel Glück und Erfolg !

      Gruß aus Westfalen
      Klaus
      Hallo !
      Lieber Bts , wie verstell ich den die Schriftgröße ? Bei mir schaut das alles gleich groß aus.

      Lieber Klaus !

      Ich hab das an den Sandstrahler weitergegeben, tatsächlich macht der das bei der Firma wo er arbeitet. Die sollten alles richtig machen.(ich bin ein grenzenloser Optimist.)

      Ja, der Motor wird komplett zerlegt. Wir sind gerade beim suchen der Dichtungen, die natürlich alle ersetzt werden.

      Das Wort "Sandstrahlen" hab ich so einfach übernommen, ich komme aber oft dahinter, bei genauerem nachfragen, daß es so was wie Trockeneis oder die kleinen Stahlkügelchen überhaupt gibt.https://www.facebook.com/photo.php?fbid=892600674441911&set=a.157800261255293&type=3&theater&notif_t=feedback_reaction_generic&notif_id=1568882724771161

      Da hab ich grad versucht ein Foto von Motor rein zu bringen. Ich und die Technik. Geht das so?
      Lieber Paul,

      äusserliche Beschädigungen oder gar Flugrost sind hier das geringste Problem. Die sensiblen Teile des Motors liegen innen und der vermeidbare "Super-GAU" ist bereits passiert.

      Feiner, hochaggressiver und scharfer Quarzsand ist jetzt überall im Motor. Eingedrungen ist er unter hohem Druck, durch zahlreiche offenstehende Kanäle und Öffnungen und hat sich vermischt und verklebt mit Schmierstoffen und öligem Schmutz, überall im Motorinneren.

      Die leichteste Bewegung von Metallteilen, ganz besonders von Leichtmetallteilen und Lagern aufeinander, ineinander, in Verbindung mit eingedrungenem Strahlsand, zerstören die Oberflächen der Teile und verwandeln alles in Schrott.

      Selbst kleinste Rückstände, die nicht entfernt werden, können im Ölkreislauf noch wesentlich später verheerende Schäden anrichten.

      Wenn, wie jetzt, grössere Mengen Strahlgut in einen innen öligen Motor eingedrungen sind, dann reicht die kleinste Bewegung aus, um irreparable Schäden an sensiblen Teilen zu verursachen. Die Kurbelwelle ein paar Grad zu drehen oder eine Demontagebewegung beim Ausbau von sandigen Kolben, Ventilen, usw. führen unweigerlich zu teurem Schrott ....

      .... ein kleines Löffelchen Sand im Mund (oder beim Kauen im Essen) verdeutlicht ziemlich plastisch und eindrucksvoll, was dort passiert .... :(

      Das müsste eigentlich jedem klar sein ... ?!

      Wenn Du noch irgendetwas von der Maschine retten willst, dann rühre nichts mehr an und gib das Ding umgehend in fachkundige Hände !!!!

      Solange wie noch nichts bewegt wurde, lässt sich mit viel Mühe noch das meiste des Motors retten !!

      "Das hätte eigentlich nie passieren dürfen", ist natürlich immer leicht gesagt, aber nun ist die Katastrophe bereits passiert und das Einzige, was jetzt noch helfen kann, ist konsequente Schadensbegrenzung.

      Jeder weitere Fehlgriff macht das Desaster schlimmer und nun noch aus verletzter Eitelkeit weiter zu wurschteln, anstatt die Notbremse zu ziehen, vergrössert den Schaden unweigerlich und führt damit zu grösseren Verlusten.

      Lass Dir helfen, bevor sich die Sache nicht mehr lohnt und Du einen kompletten neuen Motor kaufen musst !

      Viele Grüße
      Klaus
      Ich würde das nicht so kritisch sehen. Eine Fahrt zur Waschstraße und den Block mit Wärme+Fettlöser intensiv abstrahlen. Den Fettlöser am besten mitbringen.

      Da ist am Ende von 10min Intensivreinigen keine Puseratze Dreck, Öl oder Sand mehr drin
      Hab ich auch so gemacht, siehe Bilde
      Bilder
      • motorwaesche.jpg

        136,96 kB, 1.000×847, 38 mal angesehen
      Opel 1.3Ltr, 1934, 2 Türer Cabrio
      Opel P1, 1958, 2 Türer Limo
      Das sind schon mal 2 ganz verschiedene paar Schuhe:

      1. ein "nackter" und sicherlich ordentlich entfetteter Block

      2. ein kompletter lauffähiger Motor mit Ölfüllung und offenen Einlass- und Auslasskanälen

      .... auch wenn der geneigte Lebensmittelfachmann die Sache naturgemäß anders sieht .... das darf er gerne :)

      Harzhopper schrieb:

      Ich würde das nicht so kritisch sehen. Eine Fahrt zur Waschstraße und den Block mit Wärme+Fettlöser intensiv abstrahlen. Den Fettlöser am besten mitbringen.

      Da ist am Ende von 10min Intensivreinigen keine Puseratze Dreck, Öl oder Sand mehr drin
      Hab ich auch so gemacht, siehe Bilde

      Das ist ja mal ne coole Nummer. Aber dafür sorgen das alles schön in den Ölabscheider kommt. Oder Waschstraßenbesitzer fragen.
      Es gibt aber auch gute Kaltreiniger, wo man alles mit abbekommt. Hat fast jede Werkstatt so ein Becken.
      Das habe ich auch gemacht und dann dem Motorenbauer gegeben.
      Glaube die reinigen das sowieso später noch einmal.

      Bis denn HK
      Gruss HK
      Opel Olympia Rekord 1956 Ponton, 1,5 L Motor
      Frank Kaenders
      ponton.kaenders.net/
      : Das ist ja mal ne coole Nummer.


      Die "Motorwäsche steht bei der Waschstraße offiziell auf der Preisliste. Immerhin BGN 6,--
      Ob der zu waschende Motor nun eingebaut ist oder nicht ist egal. Ölabscheider gibt es nur im Fernseher.
      Opel 1.3Ltr, 1934, 2 Türer Cabrio
      Opel P1, 1958, 2 Türer Limo
      Hab mir vor Jahren mal so eine Hobbysandstrahlpistole zugelegt,um Kleinteile zu bearbeiten.Innerhalb von 2-3 Sekunden war der Quarzsand in den hintersten und unmöglichsten Stellen der Garage gelandet.Es ist wirklich unglaublich in welch rasender Geschwindigkkeit sich das Zeug überall einnistet,ich hätte es nicht geglaubt,daher kann ich die gut gemeinten Ratschläge gut verstehen.Seitdem liegt die Pistole im hintersten Regal und wurde nie wieder angefasst.
      ​Also falls jemand Bedarf hat,ich hätte eine zu verschenken
      Guten Tach zusammen !

      Hier geht es doch darum, dem Threadersteller Paul bestmögliche technische Hilfe bei der Realisierung seines Leichenwagenprojektes zu leisten und ich persönlich würde ihn gern bald mit dem historischen Bestattungsfahrzeug im Einsatz und auf der Straße sehen.

      Nicht mehr und nicht weniger.

      Da Österreich leider weit weg ist und es daher nicht möglich ist, mal kurz vor Ort vorbeizuschauen, um Paul zu unterstützen, funktioniert es auch sehr gut, zu diesem Zwecke einfach seinen Kopf anzustrengen und sein Fachwissen und entsprechende Kenntnisse mit ihm zu teilen.
      Analytisches Denken ist gewiss kein Hexenwerk, kann aber sehr hilfreich und zielführend genutzt werden.

      Jeder, der produktiv etwas zu Pauls Fortkommen in der Sache beisteuert, trägt zum finalen Gelingen bei, unterstützt Paul und dient dem guten Zweck. :)

      Wer nichts Produktives beitragen kann, möge hingegen so höflich und respektvoll sein und nicht weiter das Thema stören ....

      Also,
      wer will Paul helfen ?