Die Affäre Borgward am 07.01.2019

      Die Affäre Borgward am 07.01.2019

      Hallo zusammen,

      bevor es jemand in der Fernsehzeitung übersieht:

      Am 07.01.2019 um 20:15 Uhr wird im ARD das TV-Dokudrama "Die Affäre Borgward" gesendet werden.

      Vielleicht für den einen oder anderen interessant.
      Herzliche Alt-Opel-Grüße aus Offenbach am Main
      Ha-Jo

      Opel Rekord A LZ 1,5 l von März 1963, Familienbesitz

      nicht: was lange währt, wird endlich gut,
      sondern: was lange fährt, ist wirklich gut!
      Opel: Feine Marke


      Danke für den Hinweis Hajo, da ich keine Fernsehzeitung habe ein wertvoller Hinweis.
      Werde ich mir ansehen.

      Viele Grüße aus Ulm

      Günther
      Ort: 89165 Dietenheim bei Ulm/Alb-Donau-Kreis
      - Rekord P2, 2TL, 1700, Bj. 63
      - Rekord P2 Coupe, 1700 S, mit Golde SKD, Bj. 62
      - Rekord A, 4 TL, 1700 mit Golde SKD, Bj. 65
      Nochmal danke für den Tipp. Wer hat es denn gesehen?

      Mein Kommentar:
      So sehr sich die Filmemacher auch bemüht haben, kann man nicht die gesamte Geschichte von Aufstieg und Fall des Carl F. W. Borgward in 1 ½ Stunden wiedergeben. Im Film fehlt neben der Vorgeschichte der Firma Borgward vollständig das Kapitel Rennsport sowie der kurzzeitige Neuanfang in Mexico nach dem Untergang in Bremen.

      Neben ein paar neuzeitlichen Strassenleuchten und falschen Buchstaben auf den Nummernschildern, sowie ein paar falschen Vornamen massgeblicher Beteilgter sind mir kaum falsche Details aufgefallen. Natürlich fuhr Borgward zum Schluss keinen 2400, sondern einen P 100.

      Dass der vom Bremer Senat bestellte Sanierer Dr. Semler sich hinterher mit den Bremer Senatoren derart überworfen haben und von seinem vermeintlichen wahren “Auftraggeber” BMW gelinkt worden sein soll, ist jedoch eine völlige Neuinterpretation der Geschichte! Ich glaube kaum, dass dies der Authentizität entspricht, dass Semler den Ehrgeiz entwickelt haben soll, selbst in Borgwards Fußstapfen zu treten und den Konzern weiterzuführen. Dennoch kennt man die wahren Hintergründe von Semlers Rolle bis heute nicht.

      Fest steht heute zumindest, dass Borgward seine Misere insofern selbst verschuldete, indem er das Auto bauen mehr als persönliche Leidenschaft betrachtete und weniger nach den Grundsätzen eines gewinnorientiert denkenden Unternehmers handelte. Dabei waren die sog. “kurzfristigen Lieferantenkredite” sein grösster und riskantester Fehler, der im schliesslich das Genick brach. Er baute seine Autos gewissermassen mit Geld, das er nicht hatte. Nicht einmal das oft vermittelte Bild des “self-made-Mans” Borgward trifft in allen Facetten zu: So nahm er hochdotierte Konstrukteure unter Vertrag, für abenteuerliche Phantasiekonstruktionen, die nie marktfähig waren und die ihn Unsummen von Geld kosteten. Wo bleibt der “leidenschaftliche Autokonstrukteur” Borgward, der in der sich abzeichnenden Krise noch beginnt, einen Hubschrauber zu entwickeln?

      Dass alle Modelle mit Anfangsmängeln auf den Markt kamen –allein die Isabella war erst nach drei Jahren Produktion frei von Kinderkrankheiten- mochte ihm die Kundschaft verzeihen, was bei anderen Herstellern wie VW oder Opel kaum anzunehmen gewesen wäre.

      Borgwards geringschätzige Haltung gegenüber leitenden Angestellten, Geschäftspartnern und Politikern mochte seinen Teil dazu beigetragen haben, dass er in der Not keine Freunde mehr hatte.

      Den Bremer Senatoren würde ich nicht unterstellen wollen, dass sie Borgward absichtlich kaputt machen wollten. Vielmehr standen sie der Situation hilflos und dilettantisch gegenüber. Auch ohne die unselige Pressekonferenz des Wirtschaftssenators Eggers wäre das Ende gekommen, nur vielleicht etwas später und keinesfalls hätte Borgward auf Dauer seine bisherige Geschäftspolitik fortsetzen können.

      Entweder Borgward oder BMW, einer von beiden musste über die Klinge springen! Denn die Marktanteile waren nur einmal zu vergeben. Vielleicht entschied sich irgendein Wirtschaftsgremium für BMW, weil dessen Grundstrukturen eben doch gesünder waren als die Borgwards.

      Und was noch wichtig ist: Borgward war nie "pleite", denn bis 1969 wurden alle Gläubiger auf Heller und Pfennig ausgezahlt.

      Tschüss
      Klaus
      Danke Ha-Jo! Die Sendung war wie für mich gemacht: 60'er Jahre, bezug zu Auto's, keine Hollywood Liebesaffären oder sonstiges Drama, basiert auf Realität und schön gemacht. Natürlich gibt es Details die nicht hinpassen und freie Interpretationen aber ich fand es sehr unterhaltsam.

      Hans
      Rekord A 1700 L 1965 -- Diplomat A V8 1968 -- Kadett B 12S Automatik 1973 -- Fiat 124 Sport Coupe 1800 1973 -- Unimog 406 1970
      Was ich so hören konnte, bekam der Film im Hinblick auf Dramaturgie und Darstellung keine so guten Kritiken. Gelobt wurden lediglich die schönen Autos.
      Wer mehr über die Hintergründe des Borgward-Zusammenbruchs wissen möchte, dem seien folgende Bücher empfohlen:
      Engelbert Hartwig: Mußte Isabella sterben? Die Tragödie der Borgward-Gruppe. Verlag Peter Kurze, Bremen 2001. ISBN 3-027485-29-2.

      Weitere interessante Bücher aus der Reihe "Autos aus Bremen" des Autors und Verlags Peter Kurze mit vielen Abbildungen und Fakten zur Fahrzeugentwicklung:
      "..und wer das Leben über hat, fährt Goliath", Autos aus Bremen II, ISBN 3-931148-95-5
      und
      Prototypen und Kleinserien-Fahrzeuge der Borgward-, Goliath- und Lloyd-Werke - Autos aus Bremen Bd. 12. ISBN 978-3-927485-53-2.

      Tschüß
      Klaus



      Also ich fand den Film sehr gut :thumbup: . Die Geschichte als ganzes in einem Film widerzuspiegeln, ist ja unmöglich.
      Ich finde, dass das aber recht gut gelungen ist und das wichtigste rüberkommt. Zudem die schönen Autos im Film. Das begeistert…………

      Mannnnnnnnnnn, wenn ich so eine Isabella Limousine sehe, könnte ich zudem auch mal Opel fremdgehen. Sehr schönes Autos. Da würde mir eine Standardlimo wieder reichen :love: . Hauptsache O-Zustand und O-Lack ………….. :thumbsup:
      Fahrzeuge:
      1. Opel Olympia Rekord B / 1,7s , Olymat, Bj. 1965, 2 Tür Limousine , Standard, Erstlack, ungeschwei. , Originalzustand
      2. Opel Olympia Rekord Modell 56 / 1,5 / Bj. 1955, 2 Tür Limosine, Exportmodell für die Schweiz über GM Biel, Erstlack, ungechwei. , Originalzustand

      Wohnord: 41751 Viersen
      Ich habe den Film gestern aus der Mediathek geschaut und war begeistert. Schauspieler alle so weit bekannt. Sicherlich die Autos war der Hammer, aber die Handlungen waren sehr gut.
      Bin nun auch gut informiert, was mit der Firma Borgward passiert ist, da dieser Film auf echten Tatsachen gedreht wurde.
      Er lebte nur für die Autos und war kein Geschäftsmann. Finde auch trotz Unwissenheit wurde der Familie unrecht zugefügt.

      Gruss Frank K.
      Opel Olympia Rekord 1956 Ponton, 1,5 L Motor
      Frank Kaenders
      ponton.kaenders.net/

      HK-56 schrieb:


      Er lebte nur für die Autos und war kein Geschäftsmann. Finde auch trotz Unwissenheit wurde der Familie unrecht zugefügt.
      Es war zumindest unfair, ihn völlig aus seiner Firma auszubooten, angesichts seiner Verdienste nach dem Krieg um den Stadtstaat Bremen.
      Wenigstens einen Ehrenposten hätten sie ihm anbieten können. Von der kleinlichen Entscheidung mal ganz abgesehen, ihm auch noch seinen P 100 mit Automatik wegzunehmen, weil dieser auf den Namen der Firma lief, so daß er zum Schluß mit einem Kapitän P26 Hydramatic Vorlieb nehmen mußte, den ihm sein Sohn zur Verfügung stellte.

      Tschüß
      Klaus

      altopelfreak schrieb:

      HK-56 schrieb:


      Es war zumindest unfair, ihn völlig aus seiner Firma auszubooten, angesichts seiner Verdienste nach dem Krieg um den Stadtstaat Bremen.
      Wenigstens einen Ehrenposten hätten sie ihm anbieten können.

      Hallo Klaus, das wäre für ihn aber noch schlechter werden können, weil er dann mitten im Geschehen gewesen wäre.
      So hat er das nur von außen mit ansehen müssen. Wenn seine Frau und seine Sekretärin ihn nicht aus der Verhandlung geholt hätten, wäre rin Herzinfarkt vorprogrammiert gewesen.
      Gruss Frank K.
      Opel Olympia Rekord 1956 Ponton, 1,5 L Motor
      Frank Kaenders
      ponton.kaenders.net/
      Ich finde es schön,dass zu dieser beeindruckenden Firma ein Film produziert wurde. Die Isabella war das letzte Auto meiner verstorbenen Mutter. Ich empfand die Isi immer als was ganz besonderes,allein das Lenkrad war schon sehr hochwertig und pompös. Den Geruch von ihr habe ich auch noch in der Nase. Es war wirklich ein Meisterwerk. Politisch war es wie so oft unfassbar was da lief. Im Roman "Borgward lebt" wurde das noch ausführlicher dargestellt. Bewegend war auch,dass die Tochter im Film zu Wort kam. Eine Schande sind allerdings die "neuen Borgwards" made in China.
      Hallo Verena,

      Venus schrieb:

      Die Isabella war das letzte Auto meiner verstorbenen Mutter. Ich empfand die Isi immer als was ganz besonderes,allein das Lenkrad war schon sehr hochwertig und pompös. Den Geruch von ihr habe ich auch noch in der Nase.

      jetzt wirds interessant! Da muß ich mal ganz indiskret fragen, da Du selbst ja noch recht jung bist, ob Deine Mutter auch schon Oldtimer-Fan gewesen ist?

      Oder kann es sein, daß in Schweden eine Isabella noch in den 80er oder 90er Jahren als ganz normales Alltagsauto genutzt wurde?

      Wie habt Ihr denn das mit der Ersatzteilversorgung gelöst?

      Tschüß
      Klaus
      Hallo Klaus
      Im Grunde gibt es diese Tendenz seit meinem Opa (Ja der war eh der Beste ;-)). Mein Opa fuhr früher immer Opel und am liebsten ein grosses Modell. Er hat wohl Rekorde und Kapitäne gehabt und alles wo bei uns der Puls sich erhöht. In den 80ern ist er dann auf Ford Granada umgestiegen,da er Segelflugmodelle transportieren wollte und diese dort immer gut rein passten. 2007 starb ebenfalls mein Opa und bis zum Schluss fuhr er Granada. Mein Vater hatte auch dieses Hobby allerdings mit recht wenig geduld,trotz das er Handwerksmeister ist.Er ist eher der Techno Classica besucher als der Schrauber und keiner Marke treu. Meine Mutter war eine Motorbiene. Bis 1982 arbeitete sie bei Vaillant und hat sich dort um den Fuhrpark gekümmert und wohl auch die Rennporsche zu rennen begleitet. In den 90ern hat sie ein Käfer Cabrio gehabt und irgendwann hat sie sich ihren grossen Traum von der Isabella erfüllt. Wie gesagt Bj 1960 musste es sein. Den Wagen hat sie irgendwo in der Nähe von Bockhorn entdeckt und er war ihr ein und alles. Die Isabella war auch irgendwie immer anders als andere Autos,wir hatten mehr hochachtung vor ihr. Mein Bruder Bj 1987 hatte einiges an Unimogs angeschleppt und Feuerwehrfahrzeuge,er hat ebenfalls immer sehr schnell die Lust an Autos verloren und hat so weit ich weiss seit Jahren seine Autos nicht besucht. Ich habe mit 7 Jahren angefangen mich für Altblech zu interessieren und mit 10 den ersten Wagen gehabt. Einen weissen Monza bj 80 mit 3.0E Maschine,dieser schien als erstes Fahrzeug ungeeignet und daher folgten die Kadetten. Die Oldtimerei war also immer normal bei uns und wir hatten eben früher gute Möglichkeiten. Ich bin in Wuppertal aufgewachsen in einem grossen Haus mit integrierter Firma (Modellbauladen/Radio und Fernsehtechnik/Elektro sowie Hausgerätetechnik). Wir konnten mit Hausschuhen bis in die Werkstatt und es gab immer was zu basteln. Werkzeuge und Maschinen waren in bester Qualität vorhanden und keiner bremste uns. Eine Grube gab es ebenfalls und Auto fahren durfte man auf dem Grundstück sobald man die Pedale erreichte und dem Gesellen den Firmenwagen aufgeräumt hat. Nachteil ist allerdings,dass wir Zwangsläufig alles Strippenzieher und Hausgerätetechniker sind.

      Was Schweden in den 90ern angeht weiss ich nix aber Ich kann mal Freunde fragen. Ich selbst lebe erst 4 Jahre hier.


      Ich kümmere mich jetzt mal wieder um meinen Junior,damit er später ein grosser und starker Schrauber wird.

      Schönen Sonntag allen
      Gruss aus dem Wald
      Venus
      Dateien
      Hier noch eine kleine Ergänzung zum Thema Borgward und Hubschrauber:

      Hier sieht man eine ganz seltene Aufnahme, wo Carl Borgward einmal im Originalton zu hören ist.

      Die Idee des "Volkshubschraubers" war übrigens kein Einzelfall. Zu jener Zeit auf dem Höhepunkt des Wirtschaftswunders machten sich allen Ernstes auch andere Geschäftsleute Gedanken darüber, wenn irgendwann der Markt an Privatautos gesättigt sei, als nächsten Schritt Hinz und Kunz einen eigenen kleinen Hubschrauber anbieten zu können.

      Mein Opa hatte damals als Richter am Amtsgericht Minden einen solchen Fall zu verhandeln, wo ein zweifelhafter Geschäftsmann für die Entwicklung genau solch eines Fluggeräts Finanzierungsgelder kassiert, aber nichts flugtaugliches auf die Beine gestellt hatte.

      Tschüß
      Klaus
      Leider kriege ich es nicht hin, Fotos meines Borgward Isabella Combi`s einzustellen. Die Bilder sind immer um neunzig Grad gekippt.
      Ich fahre meinen Combi sehr gern. Robuste Technik und in einigen Details der damaligen Konkurrenz voraus. Die hydraulische Kupplung sollten man erwähnen. Der Hupenring war übrigens ein Lichthupenring, gehupt wurde mit dem Knopf in der Mitte. Der Film hat nun endlich die Geschichte um das Ende von Borgward ins rechte Licht gerückt. Und wer BMW und Mercedes aus der Zeit kennt, merkt, wo die geklaut haben.
      Gruß Jens