GM Suisse - Chronik

      Vor nicht allzu langer Zeit kam ein Kollege auf mich zu, mit der Bitte um Prüfung ob ein 51er Opel Olympia ein Bieler Fahrzeug sei.
      Er gedenke sich ein reines "GM Suisse" Fahrzeug zu zulegen.
      Dieser Olympia hatte folgende Plakette der GM Suisse im Motorraum:
      51er Opel Olympia 51-LZ-016940 1.jpg
      Im BAR ( Bundesarchiv ) machte ich mich auf die Suche danach.
      Was ich fand half bei der Kaufentscheidung mit:
      Bildschirmfoto 2020-02-09 um 16.49.23.png
      Hier ist (währe, da die Bildgrösse nur so klein sein darf ) folgendes zu sehen:
      - original aussen Farbe
      - Motornummer
      - Verzolldatum
      - Erstbesitzer ( auf der Rückseite aufgeführt, inkl. allen nachbesotzer bis ca. 1965 )
      - Typenschein Nr. 532
      - Faltdach sofern vorhanden
      - Bei Schweizer Montage wird das nach dem Typ geschrieben, hier fehlt es
      - Karosserieveränderungen und/oder Motorwechsel

      Das Problem hier war die Dauer für diese Suche ( 6 Stunden vor dem Bildschirm ) da nicht nach einem System gespeichert wurde.
      Aufgrund dieser Tatsache das es eben keine CH-Montage war, kaufte er den schönen Wagen nicht.
      Technische Spezifikation der GM Suisse
      Die Technische Spezifikation wurden pro Modelljahr/Marke zusammen gefasst. Selten auch einzeln bei Nachträgen.
      Dieses rund 14-Seitige Dokument umfasst das gesamte Auto mit Technischen Angaben.
      Angepasst auf die CH-Produktion versteht sich.

      Bildschirmfoto 2020-02-09 um 17.00.27.png
      Als Beispiel habe das von 1958 der Olypia Rekord Caravan&Delivery Van von 1958 genommen.
      Auf dem Titelbild sind die CKD und SUP ersichtlich. SUP (Single Unit Pack) = Import ), CKD (Completely Knocked Down) = Montage.
      Das TUP ist für Chassis alleine, ohne Aufbau für Spezialanwendungen.

      Bei den Anfängen war das Technische Spezifikation noch ein A3-Blatt mit den wichtigsten Merkmalen.
      Z.B. für den 1951er Chevrolet 2103 mit dem 2,5-L Opel Motor aus dem Kapitän ( auch Chevrolet 2103 13HP genannt ).

      Bei den Technischen Spezifikationen bin ich bis ca. 1967 gekommen. Für die Modelle ab 1968 komme ich nächsten Donnerstag dazu diese ebenfalls zu sichten.
      Ab den 1960er Modelle gab es eine Liste für alle Modellbezeichnungen der Opel.
      Bildschirmfoto 2020-02-09 um 17.18.30.png
      Hier ist das Modell aufgeschlüsselt für die Olympia, Kapitän und 1,75t Truck.
      Dies trifft NUR dann zu wenn dieses Fahrzeug auch effektiv ab 1960 in Biel gebaut wurde ( Längliche Plakette, NICHT Quadratische ).
      Die Modellnummer ist also so zu lesen:

      2120 2=Kapitän, 1=Kapitän P Standard, 2=LHD, 0= 1,5L Standard Kupplung ( Handschaltung )
      Was die Chassis-Nr. Betrifft ist die NUR für die ERSTEN 2 ZIFFERN an zu wenden, z.B. 211865898 = 2 Kapitän, 1 = Kapitän P Standard.

      Ebenfalls in diesem Dokument zu sehen, sind die Modellnummern der US-Fahrzeugen:
      Rekord-P 2-Türig 1120-US, Rekord-P 4-Türig 1620-US, Caravan-P 1420-US. Diese haben ein U.S. Equipment.
      Auch ein CH-Caravan-P Deluxe gab es Exklusiv für die Schweiz: 1425-DL mit Gepäckträger.
      Das dürfte von der Systematik den sog. Adrema-Codes entsprechen, die sich bei den Wagen aus deutscher Fertigung im Produktionsauftragsschild wiederfinden, wurde so um 1966 am Wagen angebracht, da lassen sich dann neben Motor/Getriebe Rechts/Linkslenkung etc. auch die Sonderausstattungen rauslesen.
      Guten Abend

      Kann man nicht anhand der Seriennummer erkennen,ob das Auto in Biel Montiert wurde?

      Fangen die in Biel montierten Autos,egal welcher Marke,nicht mit "S" oder "SS" an?
      Bei meinem Rekord D fängt die Nummer mit S9D an,das "D" ist für den Rekord D richtig?
      Wäre der Rekord fertig Importiert worden,würde sie mit "D" beginnen, gefolgt von Modell und Chassisnummer.
      Hatte auch schon einen Rekord C S1900,dort war die Nummer beginnend mit S9C.
      Habe auch noch eine Plakette von einem Commodore B GS/E,dort beginnt die Nummer nur mit "B" plus eine Adremaplakette also Importiert?

      Weiss nicht ob Ihr das schon gesehen habt,aber auf Youtube gibt's ein schönes Filmchen über das Werk.
      Da kommen vor allem Rekord A Freunde voll auf ihre Kosten..
      Der Film heisst "Mein General Motors Abenteuer"
      Hallo general,

      den Film auf Youtube habe ich gesehen, lohnt sich an zu sehen :)

      Das mit der Chassis-Nr. liegt folgendermassen:

      1936 - Ende 1949 wurde jeweils die Deutsche Form verwendet z.B. bei Chevrolet FK B48-X-X
      Ab 1950 wurde bei Release UND Chassis das SS-50-X-X angewendet.
      1958 - 1966 Wurde die Release A-001-1 und die Chassisnr. mit SS- geführt.
      Ab 1967 war die Chassis-Nr- S9-
      Diese, letzte, Version blieb bis Mitte/Ende 1975.
      Dnach wurde vollkommen das Deutsche System übernommen.

      Bei dem S9-D-31XXXXXXX ist das D die Modellreihe, genau so wie Du es Vermutet hast.
      Die ersten 2 Zahlen beziehen sich da auf die Modellreihe, die restlichen sind Fortlaufende Zahlen.

      Die release-nr. ist übrigens nicht eine Fixe Datumangabe oder so. Es handelt sich hier um eine sog. XCO ( Export Car Order ) Nummer.
      Man kann diese vergleichen mit einer Paketsendungsnummer, die man auch Verfolgen kann.
      Der Buchstaben A-001-1 bezieht sich auf das Versandjahr. A=1959, B=1960 usw.

      Es gibt da noch mehr zu erzählen, das würde den Rahmen hier allerdings sprengen...

      Grtz Tom
      Ja ist sicher ein weitläufiges thema aber sehr interessant.
      leider gibts im netz sehr wenig quellen die auskunft geben können, von daher schätze ich deinen aufwand sehr!

      also die release nummer bezieht sich auf das produktionsdatum des teilesatzes
      Oder das montagedatum?

      weisst du auch etwas über die farbcodes?
      In der regel sind es ja meist die gleichen farbtöne wie sie auch im stammwerk verwendet wurden,
      aber halt nicht immer.
      gibts da keine umschlüsselungsliste ?

      Gruss Peter
      Die Release bezieht sich ausschliesslich auf das Versandjahr ( Buchstabe ).
      Es ist KEIN Datumcode, sondern einfach eine Versandnummer.

      Einzelne Farbcode konnte ich verifizieren. Allerdings sind diese dünn gesät....
      Eine Tabelle oder so habe ich bis jetzt nicht gefunden.
      Ich vermute mal, das diese auch nicht überliefert ist. Vieleicht finde ich mal etwas, wer weiss.

      Theoretisch könnte ich diese in den Jahrgängen 1936 (theoretisch ab 1920) bis ca. 1956 heraus finden.
      Dafür habe ich 1. zu wenig Plaketten mit Farbcodes ( resp. Chassis-Nr. ) und 2. zu wenig Zeit/Geld das zu machen.
      Es handelt sich um Mikrofilmen mit jeweils rund 5'000 Doppelbildern, wild durcheinander.
      Es ist eine Suche im heuhaufen die enorm Zeit verschlingt.

      Für einen Kollegen habe ich seinen 51er Olympia heraus gesucht, das hat Stunden gedauert bis ich den fand....

      Wenn die Zeit reif ist, gedenke ich schon das mal zu Buche zu bringen.
      Dan gäbe es mal eine Basis dafür :)
      Hallo Tom

      Im Reparaturfall müssten die Lackierbetriebe ja eine Möglichkeit gehabt haben,den Farbcode zuzuordnen.
      Vielleicht könnte ein Alteingesessener Betrieb noch über Informationen verfügen,wie sie das gehandhabt haben.
      Schliesslich gab es die Bieler Codes ja sicher bis 1975.
      Im Youtube Filmchen erkennt man in der Lackierstrasse auf den Farbkübeln einzelne Codes und Farbbezeichnungen.

      Gruss Peter
      Sehr interessant hier. Die Bieler Fahrzeuge und jegliche Infos hierzu interessieren mich immer sehr.
      Fahrzeuge:
      1. Opel Olympia Rekord B / 1,7s , Olymat, Bj. 1965, 2 Tür Limousine , Standard, ungeschwei., Originalzustand
      2. Opel Olympia Rekord Modell 56 / 1,5 / Bj. 1955, 2 Tür Limousine, Exportmodell für die Schweiz über GM Biel,
      ungeschwei., Originalzustand
      + 10 Oldtimer 2 Räder (Moped/Motorrad/Roller), + 6 Oldtimer Fahrräder................. und mehr altes unnütz Zeuch .. ;)

      Wohnord: 41751 Viersen
      Das ist alles sehr interessant, aber in dieser Fülle auch ein wenig verwirrend. Dennoch meine ich, an einigen Stellen die Rüsselsheimer Fahrgestellnummern herauslesen zu können.

      Gibt es denn Bieler Fahrgestellnummern, die sich grundstzlich in der Systematik von den Rüsselsheimern unterscheiden? Nach meinem bisherigen Kenntnisstand war Biel nur ein Montagewerk, wohin die kompletten Bausätze mit bereits zugeordneter Fg-Nr. aus Rüsselsheim und Bochum hingeschickt wurden.?

      Oder irre ich mich da?

      Tschüß
      Klaus

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „altopelfreak“ ()

      Bei einem Rekord P2 aus 08/1961 und einem Commodore A GS aus 11/70 hat die Fg-Nr. zu den jeweiligen Ausstattungsmerkmalen und vermutlichem Baudatum gepasst, es gab nur die Vorzeichen SS bzw. S9 A, notwendige Ersatzteile konnte ich mit dem deutschen Katalog fehlerfrei bestimmen. Es wurden heimische Reifen und Batterien verbaut und es dürften auch Sattlerarbeiten vor Ort durchgeführt worden sein. Eine Eigenart an meiner P2 Limousine, die in laplatasilber hergestellt wurde sind die Armlehnenpolster, die aus originalem Kunstledermaterial genäht sind und nicht wie üblich aus einem Stück hergestellt wurden.
      Der GS hatte eine in D nicht bekannte Farbnummer, ein silbermetallic, war aber leider komplett auf nocturnoblau umlackiert. Ich schätze, dass man bei den GM-US-Farben möglicherweise fündig werden könnte, das laplatasilber gab es in der Schweiz ja auch schon vor dem P2 Coupe, ich meine sogar schon bei den späten Pontons, und ich vermute das könnte möglicherweise mit dem GM inca silver identisch sein, das bei Chevrolet lackiert wurde.
      War nicht Roviva ein Zulieferer für Polster/Sitzmaterialien?
      Sekurit Geneve lieferte wohl Verglasungen,habe schon oft an Amis aus Biel diesen Schriftzug eingraviert gesehen.

      Denke auch das zum Teil GM US Farben erhältlich waren.Das war für sie damals bestimmt kein Mehraufwand,da alle Modelle auf der gleichen Lackierstrasse lackiert wurden.

      Bei meinem Kapitän,obwohl nur ein Standard,ist an wenigen Stellen der Originalton hellgrün metallic sichtbar.
      Entspricht ziemlich genau dem Cascade/Lucerne Green von GM aus der 1960er Palette.
      @gmsuisse
      Dann ist es also doch so wie ich es immer angenommen habe, daß sich die Fg-Nrn. (und wahrscheinlich auch die Motornummern) exakt in die Rüsselsheimer und Bochumer Zählung einreihen und sich lediglich durch eine Vorziffer unterscheiden. Bei anderen Auslandsmontagen meist "CA" = 'completed abroad'.

      Anders muß es ca. ab Baubeginn Kadett B / Rekord C in Antwerpen gewesen sein, den hier gab es eine andere Fg.-Nrn-Zählung. Wobei mir bis heute nicht klar ist, inwieweit Antwerpen ein Montagewerk vorgefertigter Bausätze oder ein im Gegensatz zu Biel/Schweiz ein weitgehend eigenständig arbeitendes Automobilwerk war.

      Das Problem mit den oft abweichenden GM-Farbtönen gibt es hier ebenfalls, wobei erschwerend hinzukommt, daß Antwerpen schon sehr früh auf Acryllacke umstieg.
      @altopelfreak
      Die FG unterschieden sie sich lediglich im Zusatz S9-D, d.h. ab 1967.
      Davor war es das SS-.
      GM Biel war nicht NUR ein Montagewerk. Es wurden auch einzelne Modelle selber entwickelt.
      So wie der GM Ranger oder auch Chevrolet 2103 13 HP mit dem 2,5L Kapitän-Motor.

      @gmsuisse
      Die Farbpalette ist ähnlich und in bestimmten Fällen sicherlich identisch.
      Die Codierung ist jedoch anders, genau so wie von der Opelpalette auch.
      Man kann es interpretieren wie man will, man kommt zu nicht's das immer plausibel ist.

      @Generalmotors
      Roviva, Sekurit, Palas, Firstone, Glasurite usw. waren Zulieferer der GM Suisse.
      Die Farbgebung ist "höchstwahrscheinlich" identisch. ich kann es nicht schreiben, da ich keinen Beweis habe.

      @altopelfreak zum zweiten,
      Antwerpen bezog die Teile für Opelmodell ebenfalls aus dem Opel-mutterhaus.
      Ich habe nur beschränkt Kenntnisse über das Werk selber.
      Das würde mein Forschungsumfang sprengen...
      GM Biel hatte auch relativ früh Acryllacke im Angebot. Die Codierung blieb jedoch ähnlich.

      Grtz Tom