RBZ selber honen

      Hallo DT-0S,

      die Überdeckung (Übermaß der Buchse gegenüber dem Zylinder) ist in diesem Wandstärkebereich reine Erfahrungssache (Versuche nötig). Ganz grob gibt es eine Faustregel: 1 Promille Untermaß ergibt ein gutes Laufspiel, 1 Promille Überdeckung ergibt Festsitz.

      Bei dünnwandigen Teilen muß mehr Überdeckung her, am Besten: Verschiedene Passungen herstellen und Einpreßkräfte ermitteln. Das o.a. Maß von 0,022 mm hat damit nichts zu tun, es berechnet sich als Funktion der Temperatur und der Werkstoffpaarung: Der Grauguß würde sich frei ca. 0,056mm im Durchmesser dehnen, die Niro-Buchse würde im Durchmesser etwas mehr dehnen wollen, ca. 0,077 mm, alles gerundet und bei Temperaturdifferenz von ca. 180°. Die Buchse sitzt aber fest im Zylinder, das heißt, es können nur beide Dinger zusammen verformen, der Zylinder muß sich dehnen, die Buchse muß sich etwas stauchen. Auch diese Beträge kann man ganz grob abschätzen: Die Wandstärkenverhältnisse sind rund 4....5 zu 0,65mm. Das Niro hat etwa den doppelten E-Modul, das heißt es ist steifer. Kann man überschlägig berücksichtigen, wie 4...5 / 1,3 (doppelter Wert). Dann sind die Stauchung und die Dehnung ungefähr so verteilt, wie das (korrigierte) Wandstärkeverhältnis, und das Verhältnis ist ungefähr 3/4 zu 1/4. Alles ungefähr....und keine bedenklichen Werte.

      Ich habe noch zwei Nachbauzylinder (hinten) aus einem Betrieb an der Dänischen Grenze, hier ist ein Versatz der M6 - Befestigungsgewinde um 1mm festzustellen, das ist nicht die Qualität, die mich auf die Einhaltung anderer Kriterien hoffen läßt, wie schon an vielen anderen Repros erlebt.

      Das war der Grund, für die Alternative.

      Aber, was solls, kann doch jeder so machen, wie er will !

      viel Spaß + Gruß,

      Alfred. H.
      Hi,
      die Antwort kam zügig und ist wie folgt:
      "Hallo Herr Horn!

      Tut mir leid, aber wir können wegen der erforderlichen Anfertigung der Spezial-Halter zur Bearbeitung markenfremder Teile lediglich die DKW-Zylinder überholen.
      Die Anfertigung der Werkzeuge würde den Kostenrahmen völlig sprengen.

      Schöne Grüße, Arne Güldenstein"

      Hier geht scheitert es offenbar an der Stückzahl. Ein oder zwei RBZ überholen ist kostenmäßig nicht machbar.
      Die Frage nach einer Mindeststückzahl werde ich noch stellen.

      Gruß aus Werl
      Rudi
      Hallo Frühaufsteher Rudi !

      Die Stückzahl ist immer "das" Problem, wenn ein "Prozess" definiert werden muß…..das gibt es erstmal Ausschuß, bis das erste Teil i.O. rauskommt. Betriebe, die das täglich machen, kennen die erforderlichen Parameter und haben in aller Regel auch die entsprechenden Aufspannungen für fast alle Anwendungen. Ich vermute, so einen Betrieb gibt es europaweit nicht, weil der Bedarf ganz einfach nicht da ist und die in Frage kommenden Kunden die Kosten nicht tragen wollen. Hier ist es billiger, ein Neuteil zu kaufen. Vielleicht in England, wo etwas spleenige Zeitgenossen wohnen, die alles restaurieren. Natürlich hatte ich auch keine Ahnung, wo man in Südafrika einen verläßlichen Partner findet. Geschichte: Vor langer Zeit war ich dienstlich in Windhuk / Namibia. Dort gibt es auch Autofreunde: "Old Wheelers Club" . Kontakt ging schnell. Die meisten Leute dort sprechen deutsch, das vereinfacht die Sache etwas. Den Clubsprecher habe ich gefragt, wo die
      Mitglieder resleeven lassen und er hat mir den entsprechenden Kontakt in SA gegeben, Fa. Mark Backler in Randburg (nahe Johannesburg). Ich habe die Kontaktdaten leider nicht mehr....sie sind auf meinem Dienst-PC verblieben. Zu den Kosten: Die Reparatur war relativ preiswert, um 20,-€ pro Radzylinder, 30€ für einen Hauptzylinder. Der Wechselkurs ist für uns immer noch sehr günstig, Die Inflation in SA aber relativ hoch. Zu den heutigen Kosten kann ich nichts sagen. Der Transport kostet dem gegenüber relativ viel Geld, so dass es sich nur lohnt, wenn man so 20 Zylinder oder mehr hinschickt. Wieder zu hause angekommen....landet das Paket im Zollamt, dort wartet der Zoll schon mit offenen Händen, um Dir so ungefähr die Mehrwertsteuer abzunehmen.....das ist aber eher eine Frage der Deklaration. "Früher" war ich oft im warmen Süden, da gabs die Transportkosten nicht, und auch keine Zollprobleme, habe die Dinger einfach mitgenommem und gut. Mir gings auch nicht um das schöne Geld, sondern um die ständigen Probleme mit Rost, die auch durch neue Repliken (in meinen Augen von zweifelhafter Qualität) nicht behoben werden. Mein Teilevorrat reicht, bis ich ins Altersheim muß…und deshalb, gebe Ich hier gern diesen Tip….aber wie schon der alte Fritz bemerkte: Jeder soll nach seiner Fasson selig werden...

      Viel Spaß + Gruß,

      Alfred. H.
      Hier einmal ein Video wie das ganze funktioniert:

      Die Firma Mobilitäten verlangt pro Radzylinder ca. 90 EUR. (DKW-Zylinder)
      Die Rekord-P Nachbauten kosten ca. 70 EUR.
      Die ersten Nachbauten aus den 90er Jahren wahren von schlechter Qualität
      Über die jetzigen habe ich bisher nichts schlechtes gehört.
      Das Opel Teile oft von schlechter Qualität nachgebaut werden liegt an der Tatsache das die Käufer sehr "sparsam" sind.
      Mittlerweile habe ich das Gefühl das sich das Blatt wendet.
      Generell finde ich diese Idee der Überholung interessant, besonders das die Lauffläche danach rostfrei ist.
      Ich frag mich ob man das Problem auch anders angehen kann wie z.Bsp.
      Zylinder aushohnen / Reiben
      neue Kolben herstellen mit Übermaß
      bei einem Übermaß von ein/zwei zentel sollten die Dichtung noch funktionieren.
      Oder gibt es auch Dichtringe in Übermaß?
      Hallo @Alfred. H. haust hier viel Fachwissen raus.
      Gib mir bitte einmal Maße wieviel Übermaß die Hülsen habe sollen, oder Passungstoleranz H7/x6? und mit welchem Kleber diese eingestzt werden (loctite Nummer?)
      Gruß Werner
      P1 mit Olymat & Faltschiebedach / P1 PickUp Rechtslenker aus Kreis Paderborn
      Hi,
      DKW Mobilitäten kann mir z.Zt. keine weiteren Auskünfte geben, da der ausführende Feinmechaniker für einige Zeit nicht verfügbar ist.
      Habe aber eine Firma in GB angeschrieben, die diese Instandsetzung der RBZ für unterschiedliche Hersteller und Modelle angeblich professionell durchführt. Ein " Yes, we can" habe ich schon. Nun fehlt noch der Preis :)
      Bei Kosten, die sich im Rahmen von 90 Euro bewegen, würde ich einen RBZ dahin schicken.
      Gruß aus Werl
      Rudi
      Hallo Werner,

      ich hatte schon geschrieben, dass die betriebssichere Einpassung dünnwandiger Teile nur auf Basis von Versuchen möglich ist. Die Hülse selbst hat eine "vollkommene" Geometrie, mit rundrum gleichmäßiger Steifigkeitsverteilung, das ist einfach. Der Radbremszylinder hat leider keine ideale Geometrie, manche Stellen sind dicker (im Anschraubbereich), gegenüber ist die Wandstärke geringer.
      Beim Einsetzen der Buchse mit Übermaß führt diese Steifigkeitsverteilung zum "Unrundwerden", das sind zwar nur mikroskopische Maße, die die Funktion nicht beeinträchtigen, aber die ungleichmäßige Dehnung der Zylinderwand (dort, wo die Wand dünner ist, dehnt er mehr), erlaubt keine Festlegung auf theoretischer Basis, das wäre in meinen Augen unseriös. Mit einem CAD-Modell und entsprechendem Rechnerhintergrund ginge das sicher.....nur habe ich beides nicht. Ich hab´s pragmatisch gesehen und Mark Backler + seiner Erfahrung vertraut. Das betrifft auch den anaeroben Kleber, ich weiß die Marke und die Bezeichnung nicht. Noch etwas: Experimente machen Spaß, die Radzylinder sind aber m.E. nicht das geeignete Objekt, darum rate ich von eigenen Versuchen dringend ab !

      Rudi,

      ich müßte noch original-Zeichnungen oder Zeichnungsausschnitte der Radzylinder haben, werde nachsehen und sie Dir gern zur Verfügung stellen, wenn das so ist....und ich sie finde. In meinem früheren Leben hatte ich gute Kontakte zu ATE; FAG; und anderen Herstellern die sich mit Bremsen, Bremsschläuchen und anderen Bremsenteilen befassen. Daher habe ich auch einige Unterlagen, die weiterhelfen könnten. Die Radzylinder hat Opel meines Wissens selber gefertigt, die Zeichnung der ATE nimmt Bezug darauf, ATE hat also vermutlich auf eigene Veranlassung für den Kundendienst und Aftermarket produziert.....und war der erste "Nachbauer"

      Viel Spaß + Gruß,

      Alfred. H.
      Hallo,
      die Firma aus England hat geantwortet
      "Hi Rudi,
      Thank you for your reply the cost for just a re sleeve would be £44.90 plus VAT if in the UK

      And £49.30 for a complete repair which includes sleeving, new seals, assembly and testing and also a 12 month guarantee."

      Das wären also für eine Überholung nur des Zylinders ca. 61€ und bei einer komplett Überholung mit Dichtungen, Zusammenbau, Funktionstest und 12 Mon. Garantie ca. 68 €.

      Plus Versandkosten (2kg Paket 9 €) bewegt sich das im Rahmen der Replika auf dem Markt. Zoll fällt, da noch EU, nicht an.

      Ich werde dort meine zwei RBZ hinten für eine komplett Überholung einschicken.
      Leider habe ich keine alten RBZ für die Vorderbremse.

      Gruß aus Werl
      Rudi
      Hey Leute, hat nicht noch jemand aussortierte Vorderachs-RBZ für Rudi herumliegen? Ist doch ein interessantes Experiment!
      Grüße aus dem Sauerland von Frankie, dem Lennecruiser!


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      Ort: 58119 Hohenlimburg a. d. Lenne
      Fahrzeug: Olympia Rekord P1, EZ 02/60, 1700 ccm
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      MOTTO: "LEBE SO, DASS SICH DEINE FREUNDE LANGWEILEN, WENN DU TOT BIST!"
      Sehr gute Tat ! Machen ist besser, als drüber zu reden. Da helfe ich gern. in der Anlage findest Du 3 Zeichnungen zu vorderen und hinteren Zylinder, von FAG und Teves. Die Teves Zeichnungen hatte ich dem Kollegen Backler gesandt, dort sind noch meine Bemerkungen drauf, es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Hülse hinten einteilig ausgeführt wird und die vorderen Hülsen unbedingt so weit eingesetzt werden müssen, wie die alte Lauffläche reichte, das ist markiert. Die hinteren Zylinder habe ich reduzieren lassen, wenn Du 26,99 behalten willst, dann ist die Anweisung natürlich hinfällig !
      Bei Limousinen mit "modernen" Reifen / Dämpfern sind die kleineren Radzylinder u.U. vorteilhaft, auch bei bis Fg. Modellen.

      Viel Spaß + Gruß,

      Alfred. H.
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      Hallo Lenne,
      ich habe bestimmt noch einige für vorn und hinten...
      ich hatte da mal eine ganze Kiste voll gekauft.
      Müsste aber nachschauen.
      Bin auch am überlegen ob ich mir nicht einen Satz
      überholen lassen möchte.
      Grüße aus Waldaschaff
      Wolfgang


      Opel gut, alles gut!
      Opel P I / Bj. 4/60 in der Schweiz gebaut
      Opel Rekord C Coupè / Bj. 3/70
      Hallo Rudi, ja, das ist so. Die Dimensionierung der Bremsanlage der alten Kisten und auch neuer Wagen beruht auf einigen Annahmen, eine wesentliche Größe ist: Die maximal als erreichbar angenommene Verzögerung. Mit den Daten des Fahrzeugs: Radstand, Schwerpunkthöhe, Achslastverteilung mit + ohne Zuladung ergibt sich aus dieser Betrachtung genau die Bremskraftverteilung, die eine Maximalverzögerung zuläßt, ohne dass die Hinterräder blockieren. Blockierende Hinterräder sind schlecht, das Auto bricht aus. Wenn die Hinterräder also blockieren, bevor die Vorderräder ihren maximalen
      Kraftschluß erreichen > verlierst Du Bremsweg.....denn vorne wäre ja noch etwas gegangen ! Mit Änderung der VA-Radzylinder ist die Selbstverstärkung der VA-Bremse etwas zurückgenommen worden,
      das heißt, für die gleiche Bremswirkung mußt Du bei ab Fg- etwas stärker auf das Pedal treten. Weil das so ist, hat Opel hinten kleinere Zylinder eingebaut, einige "Zwischenfahrzeuge" gibt es auch, Vorn ab; hinten bis, ab Werk, das ist aus meiner Sicht nicht gut, Opel hats aber gemacht. Der Durchmesserunterschied zwischen 25,4 und 26,99 geht quadratisch in die Umsetzung von Druck in Kraft ein, weil die Fläche quadratisch wächst....also ist die Kraftdifferenz ungefähr (25,4 : 27)² ca 0,88. Es sind also 12% weniger Spreizkraft auf der HA-Bremse. Wieder zum Anfang: Wenn die maximal erreichbare Verzögerung zunimmt (bessere Reifen, mehr Grip, bessere Dämpfer)….dann ist die alte Auslegung hinfällig. Die stärkere Verzögerung entlastet die Hinterachse stärker....und die Bremse hinten blockiert.
      Das ist die Crux, wenn ein Wagen auf feste Verteilung ausgelegt ist ! Meine Wagen haben Gasdruckdämpfer und 185/70 auf 6Jx13 (P1) und 175/70 auf 6Jx13 (57ger). Beide ausgerüstet mit der ab FG- Bremse und beim Bremsen absolut grenzwertig. Bei guter Straße und im Sommer hatte ich Überbremsen hinten, das ist kein Spaß, denn wenn Du voll verzögern mußt, kannst Du Dir kein Ausbrechen leisten, das Dich dann zwingt, die Bremse wieder zu lösen. Diese Problematik ist einen eigenen Bericht wert, mit Zeichnungen etc. sonst schwer verständlich ….
      ….noch etwas: Die anfängliche Skepsis zum Resleeven ist einer ziemlichen Euphorie gewichen, so meine Wahrnehmung. Bitte geht besonnen an die Sache heran und fangt mit wenigen Teilen an und seht Euch das Ergebnis an, bevor Ihr große Mengen in Auftrag gebt.....

      Viel Spaß + Gruß,

      Alfred. H.
      Hallo Alfred,
      danke für die Erläuterungen.
      Das habe ich wirklich 2x lesen müssen :respekt1: .
      Allerdings entnehme ich Deiner Erklärung, dass bei einem Fahrzeug welches im originalem Zustand vorliegt der Durchmesser der RBZ auf der HA nicht unbedingt verändert werden sollte.

      Und ja, ich werde sicher keinen Großauftrag an dieses noch unbekannte Unternehmen abgeben. Ich hätte gerne je 2 RBZ von der HA und VA eingeschickt. Das sollte für einen ersten Eindruck reichen.
      Diese RBZ würde ich dann gerne einmal den technischen Cracks im Forum zeigen. Wie auch immer das gehen wird.

      @Rekoc: Falls Du die 2 RBZ der VA beisteuern möchtest, wäre eine PN an mich sehr nett.
      Den Preis für die Vorderen muss ich noch erfragen.

      Gruß aus Werl
      Rudi